Archiv für die Kategorie ‘Musik’
Doppel-CD “Alte und neue Nummern” (2004)
LP “Fürsten in Lumpen und Loden” (1992)
LP “Ewald der Vertrauensmann” (1978)
LP “Reinhold Andert” (1973)
Wir sind überall (Hörbuch)
Opernnachdichtung “Der Goldene Hahn”
Deutsche Nachdichtung Rimski-Korsakows Oper
“DER GOLDENEN HAHN” (Libretto: Wladimir I. Belski)
von Reinhold Andert und Werner Hintze
Zur Lage der Nation

Reinhold Andert & Edgar Külow
Zur Lage der Nation – mit Edgar Külow
Die deutsche Nation ist gespalten, nicht politisch in oben und unten, arm und reich, sondern rein geographisch in Ost und West.
Einer kann das nicht erklären, besser sind zwei: einer aus dem Westen und einer aus dem Osten. Gegenwart und Zukunft erklärt der Wessi, die Vergangenheit der Ossi. (Für Marxisten: Das Programm teilt sich in dialektischen und historischen Materialismus.)
Edgar Külow stammt aus Verdol, Westfalen, wie der Name sagt, aus Westdeutschland. Allerdings kam er bereits in den 50er Jahren in die DDR, prophylaktisch, als Aufbauhelfer. Er gehört zu den Siegern, stellt sich und die anderen Sieger vor, seine Kumpels aus dem Ruhrpott. Da muss man sich erst reinhören. (Beispiel: „Eej do, wem hört denn der Moped? Na ich!“) Koslowski ist sein Held – Fan von Schalke 04, Mitglied im Taubenzüchterverein und der SPD, aber nicht dumm.
Dann Lisbeth, seine Frau oder die dicke Klusenbrink aus Horstemscher, die er in Ägypten kennen lernt, am Assuan-Staudamm, das ist so was wie die Möne-Talsperre, wo man aus dem Wasser das elektrische Licht filtert.
Übrigens ist die ägyptische Sprache echt beschissen, aber echt. Das klingt wie Eugen seine Brieftauben kurz vorm Start. Dann Sichelschmidt, früher KPD, stur wie ein Ochse oder seine Partei. Hatti, der Sack, den ethnische Probleme mit den Negern, Türken und Bayern plagen. Wenn man über die Sieger nicht so viel lachen müsste, könnte einem schlecht werden.
Reinhold Andert ist aus dem Osten. Sein Thema ist die Vergangenheit, von der DDR zurück bis zu dem Sachsen Heinrich Nr.1, mit dem die Nation begann. Er entschuldigt sich dafür und erklärt ganz genau, warum jeder Versuch, anständig zu sein, scheitern musste. Damit diese Niederlagen nicht so wehtun, besingt er sie, ein übler Trick. Die Komik der Geschichte ist, dass alles schon mal da war. Das meinte Lenin mit der Spirale, aber Lenin war ja ein Russe, wie Wyssotzki, auch so ein Verlierer. Er schrieb ein Lied über eine komische Beerdigung mit dem Titel „Das Leben ist schön!“ Damit endet das Programm. Wenn da nicht noch eine halbe Stunde Zugaben wären…..

Leipziger Volkszeitung
Fürsten in Lumpen und Loden – Soloprogramm
Anregender Geschichtsexkurs
Politisch Lied ein garstig Lied? Wer sich das Vergnügen gönnt und Reinhold Andert in seinen Konzerten besucht, wird sich dieser Meinung kaum anschließen. Am Freitag war Gelegenheit, ihn mit seinem neuen Programm “Fürsten in Lumpen und Loden” zu erleben. Das ist ein kurzweiliger, anregender Ausflug in die deutsche Geschichte mit einer Rückfahrkarte in die Gegenwart. Man weiß, vor 89 zog sich der Liedermacher den Zorn der Mächtigen zu, weil er nicht bereit war, sich in das Schwarzweiß-Raster ihrer Weltsicht einpassen zu lassen. Und auch heute vermeidet er vereinfachende Polarisierung von Schwarz und Rot. Er ist keiner von den selbstgerechten Politbarden, die ihre Einsichten für die einzig richtigen halten.
Andert läßt seinen Zuhörern die Chance, mit eigenen Gedanken zwischen die seinen zu kommen. Er liefert Skizzen, die vom Zuhörer erst komplettiert werden müssen. Das macht den Reiz auch des neuen Programms aus, in dem das gesprochene Wort über das gesungene dominiert. Es ist ein Programm der überwiegend leisen Töne. Trotzdem vermag es jenen viel Ermutigung zu geben, die ihre Gesinnung nicht gegen die wohlfeilen “Segnungen” der Marktwirtschaft einzutauschen bereit sind.
Erstaunlich, wie es Reinhold Andert versteht, Parallelen in deutscher Geschichte zur Gegenwart zu ziehen. Sicher, darunter ist auch manch eigenwilliger und wohl auch gewagter Vergleich. Seine eigene, oft widersprüchliche Biographie setzt er in geschichtlichen Bezug. Wenn er über seine Zeit als Ministrant und Thälmannpionier plaudert oder über seine wundersame Bekehrung vom angehenden Priesterseminaristen zum Geschichts- und Philosophiestudenten, geschieht das mit einem Schuß Selbstironie, überlegenem Humor: seine Art, lähmendem Kleinmut zu begegnen.
Solch einen vergnüglichen Geschichtsexkurs habe ich selten erlebt. Hintergründiger Witz in “Lied vom Pausenclown”, im”Trabi-Lied”. Berührendes im “Lied für Lin”, einem Lied für Ernst Busch…
Günter Görtz
Wyssozki-Programm
Ein Programm mit Liedern und Texten des bedeutenden sowjetischen Liedermachers Wladimir Wyssozki.
